In diesem Frühjahr wurde an der Praxis-HAK Völkermarkt unser Online-Seminar „20 Tage, 20 Tools“ als exklusives „on demand“-Angebot durchgeführt. Moderiert wurde es von VPH-Online-Trainer Martin Erian, der ebenfalls an der Praxis-HAK Völkermarkt Deutsch und Geschichte unterrichtet und der sich mit einer Gruppe motivierter Kolleginnen und Kollegen außerhalb des Unterrichts in die Tiefen und Weiten von virtuellen Lernräumen vorwagte. Ein gelungener und wichtiger erster Schritt, wie wir meinen. Wie es ihm als Kollege und Online-Trainer dabei ergangen ist, welche Stolpersteine und Hürden gemeistert werden mussten und vor allem welche Dinge dadurch für die Zukunft der Fortbildung an seinem Standort in Bewegung gebracht werden konnten, hat uns Martin Erian dankenswerterweise in folgendem Bericht zukommen lassen. [VPH]

Zukunft in der DNA – oder: Von der Pflicht, neue Wege zu gehen

Gastbeitrag von Martin Erian

Logo Praxis-HAK Völkermarkt, mit freundlicher Genehmigung

Schule der Zukunft. Ein Slogan, der bei manchen Angehörigen des Schulbetriebs in regelmäßigen Abständen Unbehagen auslöst. Ende von klarer Ordnung und persönlicher Komfortzone im Klassenzimmer, das die Welt da draußen tunlichst ausschließt – oder die Schule insgesamt als Auslaufmodell? Die Kärntner Handelsakademien begegnen der Bedrohung Zukunft mit vermeintlich offenem Visier und schreiben sich „Schule der Zukunft“ gleich geschlossen ins Logo. In erster Linie ein Nachweis für die fundierte Marketingkompetenz oder doch ein Bekenntnis zur steten Weiterentwicklung?

Fest steht: Handelsakademien sind mit ihrer Ausrichtung prädestiniert dafür, digitale Möglichkeiten in ihren Alltag einzugliedern. Nicht nur hinschreiben, sondern tun – das versuchen wir an der Praxis-HAK Völkermarkt, also an einem Ort, an dem auch der Schulname dazu auffordert, gelebt zu werden. Dank so mancher Initiative engagierter Einzelkämpfer_innen darf sich die Schule mit Fug und Recht schon lange Vorreiterin nennen und regelmäßig Preise einsacken. Stolz führt man den ins Programm passenden Status der eEducation.Expert.Schule.

Ab in die Breite – aber wie?

Videoprojekt der Praxis-HAK Völkermarkt gewinnt bundesweiten Wettbewerb. M. Erian rechts im Bild. Quelle: Praxis-HAK Völkermarkt, mit freundlicher Genehmigung

Seit einiger Zeit wird auch versucht, nicht über mangelnde Rahmenbedingungen zu klagen, sondern mit den technischen wie personellen Gegebenheiten mehr zu erreichen – durch die Präzisierung von Zielen und fokussierte Fortbildungsangebote nicht nur für Pionier/innen, sondern für jedermann und mit ordentlichem Zuspruch. Es war also Zeit für mehr, oder in Anknüpfung an ein erfolgreiches Videoprojekt: Ready for take-off!

„Das Angebot eines Onlineseminars wäre ein guter nächster Schritt. Daher möchte ich mich über die grundsätzliche Möglichkeit informieren…“, hieß es in einer Mail an die Virtuelle PH Anfang Februar – und wenig später war es in Griffweite. Was wir uns davon erhofften? Gleich vorweg: Darf’s ein bisserl mehr sein?

Das Kollegium sollte nicht nur eine Möglichkeit zur Vertiefung erhalten, sondern auch das Format des Onlineseminars im geschützten Rahmen kennenlernen – und das sollte zugleich neue Impulse geben, anders als die knapp bemessene Präsenz-Fortbildung das intensive Ausprobieren und Entwickeln sowie die Zusammenarbeit zulassen und zu guter Letzt durch die Anpassung der Inhalte des Seminars 20 Tage, 20 Tools an den Standort der Schulentwicklung dienen und über den Seminarzeitraum hinaus wirken. Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man hoffentlich ohne ihr. 😉

Back to Reality: Von Monologen, der Realitätsflucht – und von Überraschungen

Lehrer_innen der Praxis-HAK Völkermarkt beim kollaborativen Lernen. Quelle: Praxis-HAK Völkermarkt, mit freundlicher Genehmigung

Vorneweg: Das Fehlen prinzipieller Antipathie hilft! Durch den Vorsatz „Virtuelle“ scheint der Begriff „PH“ den Gerüchten zufolge verbreiteten Status des roten Tuchs ein wenig zu verlieren, zumindest bei einigen. Entgegen dem anfänglichen Interesse an einem schulinternen Onlineseminar kamen die fixen Zumeldungen für den Seminarmonat April aber eher schleppend, der Start nach Ostern klappte recht zäh. Und dann?

Dann gab es Teilnehmer/innen, die verlässlich, aber genügsam Aufgaben erfüllten, und es gab die Überraschungen. Der eine oder andere fand eine Bühne und konnte zeigen, wie engagiert und reflektiert er oder sie im Bereich eEducation bereits unterwegs ist, ohne dass jemand so recht davon weiß.

Schattenseiten? Doch nicht bei uns!

Nun ja, Onlineseminar leben auch sehr stark vom regen Austausch, den Forendiskussionen. Wenn man sich täglich sieht, sich dann aber schriftlich unterhalten soll, kann das auch schon einmal dazu führen, dass man als Kursleiter den Teilnehmer/innen im realen Leben davonrennt und Mails und WhatsApp-Anfragen ignoriert, besitzt man doch ein Forum, das lebendig zu sein hat. So ist es auch das Los des Trainers, zur Halbzeit online nach den bisherigen Erfahrungen zu fragen und bis auf weiteres auf schriftliche Reaktion zu warten.

Und wenn wir schon bei den Niederlagen sind: Spätestens im Onlineseminar on demand zeigt sich die Machtlosigkeit des Kursleiters, wenn Interventionen nicht fruchten. Man wird die Kolleg/innen des Alltags weder ausschließen noch aus dem Unterricht holen und an den PC binden können.

Favoriten zünden nicht immer: Ein Fazit mit Perspektiven

Quelle: Praxis-HAK Völkermarkt, mit freundlicher Genehmigung

Was bleibt? Ganz vorne steht die Enttäuschung des Enthusiasten: Nein, das Onlineseminar on demand ist keine Fabrik für eEducation-Pioniere am eigenen Standort und auch der sogenannte ideale Zeitpunkt zwischen Schuljahresbeginn, Schularbeitenzeiten, Weihnachts-, Semester- und Maturastress sowie Ausgelaugtheit vor dem Sommer lässt sich nicht finden.

Abseits davon zeigt sich, dass, um in WM-Tagen in der Sportsprache zu bleiben, Favoriten nicht immer die sichere Bank sind, die Diskussionsforen dominieren und das Seminar vorantreiben. Gleichzeitig – und womöglich weit erfreulicher – ist die Bühne, die ein Onlineseminar weniger lauten Kolleg/innen bietet, nicht zu unterschätzen. Jede Schule hat ihr Island. Huh!

Auch ist der virtuelle Kursraum eine wertvolle Plattform der Zusammenarbeit und des Austauschs über die üblichen Fachgruppen und persönlichen „Grätzel“ hinaus. Wenn es gelingt, das Onlineseminar für konkrete Anliegen der Weiterentwicklung am Standort zu nutzen, kann daraus ein Sammelplatz für Ideen, eine Fundgrube für neue Perspektiven werden, wie es im gehetzten Präsenz-Alltag vielleicht nur selten klappt.

Ob wir es noch einmal machen würden? Die Gretchenfrage ist mit einem eindeutigen Naja zu beantworten. Es war das Ziel, eine Tür zu öffnen und Scheu zu nehmen. Das hat bei manchen geklappt, aber sicher nicht in der erhofften Breite. Andererseits konnte damit jenes Fortbildungsformat erstmals erprobt werden, das künftig zum maßgeblichen werden könnte.
Für die Schule der Zukunft also gerade recht…

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